Ich weiß, was du 1968 getan hast

Vietnam, Mexico, Prag, Berlin. Freiburg Stadthalle, Januar 1968: Rudi Dutschke sitzt auf einem Lautsprecherwagen in einem Wortduell mit dem FDP-Vertreter Ralf Dahrendorf. Bertoldsbrunnen, Februar 1968: Tagelang demonstrieren tausende Menschen gegen die Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Fabrikneue Wasserwerfer kommen zum Einsatz, wenn auch noch ungeübt. Mal verweigert ein Polizist den Beschuss der Demonstranten, ein andermal landet das Wasser ziellos in den Handtaschen Unbeteiligter oder in den eigenen Reihen der Polizisten. Kurze Zeit später formt sich der Widerstand gegen den geplanten Bau der Atomkraftwerke Wyhl und Fessenheim.

Wilde Zeiten, welche die methusalems als Zeitzeugen miterlebt haben. Wobei die Sichtweisen auf jene Zeit der Utopien durchaus ambivalent sind: Einer von ihnen wurde eher zufällig beim Brötchen holen von besagtem Wasserwerfer getroffen. Ein Anderer wollte einfach nur in Ruhe sein Jura- und Wirtschaftsstudium beenden. Eine Dritte wollte nicht Häuser besetzen, sondern besitzen. Und ein Weiterer gründete im tiefsten Schwarzwald einen SPD-Parteiableger und wurde von der lokalen CDU als „Roter Kommunist“ begrüßt.

Die methusalems berufen 50 Jahre später ein Sonderplenum ein, um sich erneut heftige Debatten zu liefern. Was ist aus der linken Bewegung in Freiburg geworden, aus demokratischer Emanzipation, der Frauenbewegung, der Energiepolitik und den energetischen Feldern im Dreiländereck? Wie ist es um das spirituelle und evolutionäre Potential der Region bestellt? Ein Happening, eine Seance, um mit den politischen Untoten jener Zeit in Kontakt zu treten: Ich weiß, was du 1968 getan hast. Der Ort der Versammlung ist noch geheim und wird es möglicherweise auch bleiben.

Seit über fünfzehn Jahren gibt es die Seniorentheatergruppe die methusalems am Theater Freiburg. Verschiedene Generationen von Mitgliedern haben im Lauf der Jahre in den unterschiedlichsten Konstellationen leidenschaftlich und professionell miteinander gearbeitet und mit verschiedensten künstlerischen Methoden experimentiert. 

Veit Balthasar Arlt ist Mitbegründer des Berliner Theater- und Performancekollektivs Turbo Pascal. Er entwickelt seit über zehn Jahren als Regisseur und Dramaturg Rechercheprojekte und interdisziplinäre Performances. In den letzten Jahren war er Dramaturg am Theater Freiburg und 2017 Leiter des 3. Internationalen Bürgerbühnenfestivals „Art of the cities“.

Regie: Veit Arlt

Premiere: 11. Januar 2019, Kleines Haus